Projekt „Nähe aufbauen, Distanz abbauen, Verantwortung übernehmen“

Anekdoten von Schülern

1. Zwei Damen liefen hinter mir. Sie schnatterten pausenlos. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass die eine rückwärts auf dem Rollator saß und von der anderen geschoben wurde. Sie hatten Spaß!
2. Spaziergang mit Herrn P. Richtung Hobrechtsfelde. Ich schob den Rollstuhl und plötzlich sprach er mich mit voller Überzeugung an und wies darauf hin, dass hier eine Dreißigerzone sei und ich mich an die Geschwindigkeit halten sollte.
3. Frau S. war etwas wackelig auf den Beinen. Ich reichte ihr meine zwei starken Hände, die sie dankend annahm. „Mensch wie beim Tanzen.“, sagte ich zu ihr. Plötzlich lächelte sie und wackelte rhythmisch mit dem Oberkörper.
4. Ich erklärte Frau S. das Schweinchenspiel. Die Figuren sahen echt niedlich aus. Wirklich winzige rosafarbene Schweinchen. Ich verwies darauf, dass dies Spielfiguren und keine Gummibärchen seien. Ein kurzer Blick zur Seite und wieder zurück. Frau S. lutschte freudig das Schwein. Ich hielt die Hand unter ihr Kinn und sagte nur: „Das Schweinchen muss auf das Spielbrett, Frau S. “ Sie lächelte und ließ es glücklicherweise frei.
5. Während einer Sportrunde wurde ein Ball herumgegeben. Herr W. freute sich, endlich den Ball zu haben und dann freute er sich noch viel mehr darüber, mich abwerfen zu können. Er hat mich sogar getroffen.
6. Wir wollten spazieren gehen. Ein Fahrstuhl für alle, also mussten wir eine gewisse Zeit warten. Herr K. fragte mich dann nach einer Weile: „Hast du den falschen Knopf gedrückt?“
7. Eine ältere Dame sprach mich an. Sie stellte eine Frage, die ich nie erwartet hätte. Sie fragte mich, ob ich für oder gegen Sterbehilfe sei. Ich konnte ihr darauf keine Antwort geben.
8. Während eines Spazierganges Richtung Hobrechtfelde fragte mich Frau N., ob wir nicht mal in den Dschungel gehen könnten.
9. Gemütlich saßen die Bewohner zu einer Raterunde zusammen. Es wurde ein Rätsel aufgegeben und immer wieder hatten die anderen Bewohner keine Chance zu antworten, da Frau K. mit 91 Jahren immer schneller war.
10. Auf unserer Station gab es kein Radio. Brauchte man auch nicht, Frau D. saß überwiegend singend im Flur. Manche hörten zu, manche schlossen ihre Zimmertür.
11. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, 100 Jahre alt. Doch es war vorerst die falsche Dame.
12. Ein älterer Herr liebte Umarmungen. Während einer Tanzstunde sollten alle einen bekannten Kindertanz tanzen. Die Betreuer hielten die Älteren an den Händen. Der ältere Herr stand vor mir und wollte die geschlossene Tanzhaltung für einen Walzer einnehmen. Ich war erstaunt.
13. Ich ging ins Zimmer und sagte freundlich: „Guten Tag“. Keine Antwort, nur ein ernster Blick. Ich lächelte, ging auf sie zu und redete mit ihr. Ein Tag später. Ich ging ins Zimmer und sie schaute mich an, nicht ernst – nein – mit einem Lächeln und sie sprach gleich mit mir. Sie fühlte sich wohl.
14. Die eine Dame fragte uns Schülerinnen, ob wir Zwillinge seien. Wir schauten uns an und fragten: „Wieso?“ Sie antwortete, wir seien gleich groß.
15. Ein älterer Herr erzählte uns, dass er Dirigent gewesen sei und zeigte uns Fotos, auf denen er Klavier spielte. Ab und zu spielte er auch noch im Heim für die Bewohner.
16. Frau R. fragte uns immer nach „Shopping Queen“. Sie schaut die Sendung jeden Tag und schaute dabei auf die Uhr. „Bloß nicht verpassen.“, sagte sie.
17. Frau K. hat sich über Frau B. beschwert, da sie ihr bereits fünf Mal erzählt habe, dass sie aufgegessen habe.
18. Im Altersheim wird immer einmal die Woche Kuchen gebacken. Wir bereiteten alles vor. Den Teig und die Äpfel klein geschnitten. Frau F. saß neben uns und steckte sich genussvoll ein Stück nach dem anderen in den Mund und lächelte. Wir dachten nur: „Naja, eigentlich sind sie für den Apfelkuchen.“

Von Schülern für Leser geschrieben

Sarah Sucher, Frau Renner 10. Februar 2020

Mit etwas Zeit, Senioren ein Lächeln bescheren.  Projektwoche an der WCRG

Für viele Senioren ist es unvorstellbar, in ein Alters- oder Seniorenheim zu ziehen. Denn dann plagt sie die Angst, dass sie von ihrer Familie vernachlässigt, abgeschoben und vergessen werden. Sie haben Angst, zu vereinsamen. Einige Schüler und Schülerinnen der „Wilhelm Conrad Röntgen Gesamtschule“ haben sich erneut im Rahmen der Projektwoche die Aufgabe gestellt, eine Woche lang den Senioren ein Lachen zu schenken und ihnen zu zeigen, dass das Leben im Seniorenheim nicht vorbei ist. Als Betreuungskraft konnten wir sehr viele Eindrücke sammeln, wie das Leben im Seniorenheim „Eichenhof“ ist. Die Beschäftigung ist für die Senioren sehr wichtig, denn dadurch können sie soziale Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen.
Im Seniorenheim „Eichenhof“ gibt es ein buntes Angebot, an dem die Bewohner teilnehmen können, aber nicht müssen. Zudem haben wir uns öfters mit ihnen zusammengesetzt und während zum Beispiel einer Rätselrunde über viele Dinge geredet, beispielsweise über das Zusammenleben mit Tieren, aber auch über Erlebnisse von früher. Sie waren sehr begeistert, dass sie uns jungen Leuten von ihrem Leben und ihren Weisheiten erzählen konnten. Und mal ganz ehrlich, wir lernten auch viel dazu. Nur durch diese kurze Zeit des Zuhörens konnten wir den Senioren ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Denn was viele Menschen oder Angehörige nicht wissen, ist, dass sie nicht viel verlangen, sondern sich nur etwas Zeit mit einem Menschen wünschen, damit sie nicht vergessen werden und ihre Erfahrungen weitergeben können. Wir haben ihnen als Schüler zusätzlich Aufmerksamkeit geschenkt. Die Pflegekräfte, die uns liebevoll zur Seite standen, erklärten uns, wie die Arbeit mit den Bewohnern tagtäglich abläuft, wie man mit manchen umzugehen hat, welche Hilfen benötigt oder angeboten werden. Manchmal fragte ich mich, wie das wohl aussehen mag, wenn wir Schüler selbst alt sind. Es gibt ja heutzutage kaum Interessierte, die diesen Beruf erlernen möchten.

Woran liegt das?
Ich denke, dass sich hier die Politiker unbedingt einmal darüber Gedanken machen sollten, wie sie diese Pflege optimieren, absichern möchten, um jedem Menschen einen so angenehmen letzten Weg zu ermöglichen. Denn jeder alte Mensch hat seine Beitrag zum gesellschaftlichen Leben geleistet und wünscht sich, respekt – und würdevoll behandelt zu werden, eben nicht abgeschoben wie man manchmal glaubt. Und wenn die Politiker mal weiterdenken, auch sie werden einmal alt. In dieser einen Woche haben wir Schüler/innen so viel erfahren, so schöne Momente erlebt, aber auch die traurigen, eben dass der Tod dazugehört. Einige Pflegerinnen erzählten uns, wie schwer es jedes Mal ist, die liebgewonnen Alten gehen zu lassen, sich zu verabschieden. Ich war besonders beeindruckt darüber, dass Frau Dräger sehr offen mit uns über diese Problematik gesprochen hat, denn diese Tatsache gehört nun einmal zum Beruf eines Pflegers dazu. In einer Gesprächsrunde mit allen Schülern, die an diesem Projekt beteiligt waren, wurden viele positive Dinge zusammengetragen. Natürlich gab es auch Erlebnisse, Beobachtungen, die wir uns anders vorstellen könnten. All diese Erfahrungen haben wir aufgeschrieben und der Leitung, die sehr dankbar für dieses Feedback ist, übergeben. Von den 15 Projektteilnehmern sagten sechs, dass sie im kommenden Jahr wieder daran teilnehmen möchten. Ich bin Schülerin der 13. Klasse und mein Weg wird in diesem Jahr ein anderer sein, aber fest steht, dass ich auch mit Menschen arbeiten möchte, nur eben mit Grundschulkindern. Ich denke, dass es eine verantwortungsvolle Aufgabe ist, für Menschen da zu sein, egal welchen Alters.
Und vielleicht finden sich ja noch viele Herzen, die gerade den älteren Menschen zeigen können, dass sie wichtig sind. Denn denkt auch an eure Eltern, eure Zukunft, alt werden wir alle und wer möchte dann alleine sein?

Ich nicht!

„Ehre die Alten, verspotte sie nie. Sie waren wie wir, und wir werden wie sie.“